Donnerstag, 8. Oktober 1992

"König Lear" in der Volksbühne

Wiedergesehen beim Theatertreffen: Frank Castorfs Inszenierung "König Lear" für die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Die Einladung war wohl eine Verbeugung vor dem Kraftakt, mit dem Castorf als Intendant sein Haus entrümpelt hat. Künstlerische Gründe hätten eher für "Rheinische Rebellen" oder "Clockwork Orange" gesprochen.

In der mäßig gefüllten Volksbühne bekamen die Zuschauer die um 40 Minuten gekürzte "short version" des "Lear zu sehen. Bei Castorfs Putzeimergeschwader geht es immer zu wie im antiautoritären Kindergarten der siebziger Jahre: Es wird gespritzt, gematscht, gekleckert, geschrien und nackt herumgesprungen.

Die Wiedergeburt der Siebziger ist von Trendsettern längst beschlossen. Deswegen ist der Althippie der Volksbühne jetzt mit seiner Bühnenfassung des Siebziger-Kultbuches "Clockwork Orange" wieder brandaktuell. Aber Vorsicht vor seinem völlig spannungslosen "Lear"!